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An Landeshauptstadt Dresden,
Stadtplanungsamt
Hamburger Str. 19
01067 Dresden
Dresden, den 26. Juni 2002
Widerspruch zum Planfeststellungsvorhaben zum Ausbau der Löbtauer
Straße von der Schäferstraße bis zur Cottaer Straße
Sehr geehrte Damen und Herren
Hiermit möchte ich meine Einwände zu den Planungen der obengenannten
Baumaßnahme darstellen.
Ich wohne im Dresdner Norden. Die Löbtauer Straße ist Teil meiner
Wege in Richtung Neustadt und Innenstadt. Ich benutze diesen Straßenzug
sowohl mit Kfz als auch mit dem Fahrrad und der Straßenbahn.
Ich freue mich über die Sanierung dieses Bereiches, ist doch die
jetzige Qualität von Fahrbahn und Fußweg miserabel. Von einer neu
erstellten Löbtauer Straße erwarte ich, dass ich mich sicher, schnell
und komfortabel auf ihr bewegen kann.
Benutze ich die Straßenbahn oder das Auto, so werden meine Erwartungen
an die neue Verkehrsanlage voll erfüllt werden. Fahre ich mit dem Fahrrad
oder bewege ich mich als Fußgänger in diesem Bereich, so werden
erhebliche Sicherheitsmängel und Behinderungen auf mich warten.
Probleme mit dem Kfz-Verkehr
Der Hauptmangel besteht in der Führung der Fahrbahn im Bereich
Berliner Straße - Fröbelstraße und die Gestaltung der Kreuzung
Fröbelstraße. In diesen Bereichen soll die Fahrbahn des Radverkehrs auf
dem Bürgersteig geführt werden. An der Kreuzung Fröbelstraße ist eine
Verschwenkung der Fahrbahn quer über Fußgängerflächen vorgesehen.
Dabei wird die geradeausführende Radfahrbahn weit rechts der
Rechtsabbiegerfahrbahn des Kfz-Verkehrs geführt.
Eine solche Führung gefährdet mich als Radfahrer enorm. Laut
Unfallstatistiken und wissenschaftlichen Untersuchungen (siehe Anhang),
ist die häufigste Ursache von schweren Radunfällen das Übersehen von
Radfahrern an Kreuzungen. Vor allem bei der Führung auf Radwegen
außerhalb des Straßenraumes und rechts von Rechtsabbiegerspuren, wie in
den Planungen vorgesehen, ist eine erhöhte Unfallgefahr zu erwarten.
Viele Autofahrer rechnen dort nicht mit Fahrrädern, da sie zuvor keine
Radfahrer auf der Fahrbahn wahrgenommen haben.
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Radwege rechts von Rechstabbiegerspuren sind gefährlich
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Ein weiterer unnötiger Gefährdungspunkt ergibt sich direkt an der
Querung der Fröbelstraße. Dort werden die Radfahrer neben den
Fußgängern über die Straße geführt. Aus der Löbtauer Straße
abbiegende Autofahrer haben dort die Vorfahrt des Fuß- und Radverkehrs zu
gewähren.
Eigene schmerzliche Erfahrungen zeigen aber, dass abbiegende
Fahrzeugführer zwar zuvor wartende Fußgänger und Radfahrer über die
Straße lassen, sobald diese aber die Fahrbahn überquert haben, nicht
mehr mit weiteren Fahrrädern rechnen. Vermutlich liegt die Ursache darin,
dass viele Autofahrer nicht erwarten, dass sich von einem Fußweg
Fahrzeuge mit hohen Geschwindigkeiten der Straße nähern, um diese zu
überqueren. An ähnlich gestalteten Kreuzungen in Dresden bin ich nur
knapp schweren Unfällen entgangen.
Als ziemlich gewagt finde ich die Planung, die Rechtsabbiegerspur der
Autofahrer zwischen die Geradeausspuren von Rad und Kfz zu legen. Eine
solche Verkehrsführung provoziert geradezu schwere Unfälle!
Probleme mit dem Fußgängerverkehr
Weiterhin erkenne ich große Mängel, betreffend der Trennung von
Fahrbahn und Fußweg. Im Bereich vor der Berliner Straße und nach der
Fröbelstraße sind Radstreifen auf der Fahrbahn geplant. Hier sind keine
Fahrzeuge auf dem Fußweg zu erwarten. Zwischen diesen beiden Straßen
soll aber die Radfahrbahn auf den Fußweg gelegt werden. Dabei ist eine
Abtrennung lediglich durch einen Blindenleitstreifen und unterschiedlich
gefärbte Beton-Pflastersteine vorgesehen.
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Fußgänger bemerken oft nicht die rote Farbe der Rad-Fahrbahn
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Als langjähriger Fahrradfahrer und Fußgänger weiß ich, dass sich zu
Fuß Gehende nicht an solche Fahrbahnmarkierungen halten. Menschen,
die sich auf dem Bürgersteig aufhalten, sind bei weitem nicht so
konzentriert, als wenn sie Auto fahren oder eine Fahrbahn überqueren.
Für Radfahrer ist das Verhalten der Fußgänger an solchen Radanlagen
deswegen besonders schwer einzuschätzen. Fußgänger blinken nicht,
machen keinen Schulterblick und wechseln vor allem an Kreuzungen
unverhofft ihre Gehrichtung. Verlaufen die Radfahrbahnen über den
Bürgersteig, so ist es nicht zu erwarten, dass sich die Fußgänger
vergewissern, dass der Radweg frei ist, bevor sie die (Rad-)Fahrbahn
überqueren. Vielmehr werden die Radwege oft gar nicht bemerkt, so wie auf
dem Bild nebenan.
In Teilbereichen wird aufgrund des Platzmangels sogar auf diese
oberflächliche Trennung von Fahrbahn und Fußweg verzichtet, so dass
Fußgänger auf der (Rad-) Fahrbahn laufen müssen.
An der Berliner Straße und im Bereich der Kreuzung Fröbelstraße sind
Warteflächen für die Fahrbahn querende Fußgänger am Rande der
Kfz-Fahrbahn vorgesehen. Dabei haben die Planer scheinbar vergessen, dass
es sich bei dem Radweg auch um einen Teil der Fahrbahn handelt, denn die
Radwege verlaufen hinter diesen Warteflächen. So wird dem Fußgänger
vermittelt, dass sich auf dem Bürgersteig keine Fahrbahn befindet, und er
somit nicht mit Fahrzeugen rechnen muss - ein gefährlicher Fehler!
Im Bereich der Kreuzung Fröbelstraße, werden die Radfahrbahnen
zusätzlich über den Bürgersteig verschwenkt, was die zuvor genannten
Probleme noch mal steigert.
Ich möchte keinen Fußgänger gefährden. Deswegen bin ich auf den
geplanten Radanlagen gezwungen sehr langsam zu fahren, sobald ich mich
einem Fußgänger nähere. Ich empfinde das als eine drastische
Benachteiligung gegenüber dem motorisierten Verkehr. Im Auto muss ich
kaum damit rechnen, dass unkonzentrierte Fußgänger auf der Fahrbahn
laufen.
Zudem ist für mich als Radfahrer das zusätzliche Abbremsen besonders
beschwerlich, da ich aus eigener Kraft wieder beschleunigen muss. Da in
Dresden Radwege sehr häufig auf Bürgersteigen verlaufen, sinkt die meine
Reichweite mit dem Fahrrad durch solche Verkehrsanlegen enorm. So muss ich
viele Wege mit dem Auto zurücklegen, die ich lieber umweltfreundlicher
erledigen würde.
Andere Radfahrer sind nicht bereit, aufgrund von schlechten
Verkehrsanlagen ihre Geschwindigkeit zu mindern. Diese gefährden damit
die Fußgänger, die ohne Absicht die (Rad-) Fahrbahn mit dem Fußweg
verwechseln.
Problem Oberflächenqualität
Weil Fahrräder mit eigener Kraft bewegt werden müssen, ist es
wichtig, dass die Oberflächengestaltung der Radanlagen kraftsparendes
Fahren ermöglicht. Wenig Kraftaufwand heißt höherer Aktionsradius des
Fahrrades, damit mehr Attraktivität des Radfahrens und somit weniger
Kfz-Verkehr.
Das UPI-Institut aus Heidelberg führte deswegen Energiemessungen bei
verschiedenen Oberflächenarten durch. Das Ergebnis:
„Radwege mit Betonverbundsteinen erhöhen den
Energieverbrauch des Fahrradverkehrs wegen der raueren und unebeneren
Oberfläche um 30-40% und reduzieren dadurch die mit
dem Fahrrad erschließbare Fläche um 40-50% im Vergleich zum
Fahren auf glatten und ebenen Oberflächen. „
Für die Radanlagen der Löbtauer Straße ist Betonverbundpflaster als
Oberfläche vorgesehen. Das wird zu einer empfindlichen Beeinträchtigung
des Fahrradfahrens führen. Im Laufe der Zeit werden sich einzelne
Verbundsteine senken, was zu weiteren Nachteilen führt.
An der Querung der Kfz-Fahrbahn durch die Radwege sind Bordsteinkanten
quer über die Fahrbahn vorgesehen. Diese werden Wirbelsäule und Reifen
belasten. Die eigentliche Aufgabe von Bordsteinkanten sollte es doch sein,
den Fußweg von der Fahrbahn zu trennen. Bordsteinkanten quer über die
Fahrbahn sind unnütz und vermitteln dem Fußgänger das Gefühl, sich auf
dem Fußweg zu befinden.
Die Auffahrten zu Radwegen sollten auf Nullniveau liegen. Das wurde bei
den aktuellen Planungen nicht berücksichtigt.
Solchen Anlagen vermitteln mir das Gefühl, Verkehrsteilnehmer zweiter
Klasse zu sein. Mit meinem voll gefederten Auto darf ich auf glatten
Asphalt fahren. Benutze ich aber das Fahrrad, so muss ich mich mit
welligem Betonpflaster begnügen. Dabei ist der große Teil der Fahrräder
(so auch meines) nicht gefedert und somit viel empfindlicher auf unebene
Fahrbahnbeläge als ein Kfz.
Fazit
Ich empfinde die Planungen für die Löbtauer Straße betreffs der
Führungen der Fußwege und der Radfahrbahnen als unausgereift und nicht
dem Stand der Technik entsprechend. Durch die geplante Verkehrsanlage wird
meine Gesundheit möglicherweise sogar mein Leben als Radfahrer oder
Fußgänger gefährdet. Ich muss enorme Einschränkungen an Komfort
(Oberfläche), Geschwindigkeit (Sicherheitsmängel) und Reichweite
(Kraftaufwand für Oberfläche und zusätzliches Beschleunigen) hinnehmen,
wenn ich mich entscheide, umweltfreundlich unterwegs zu sein. Dabei werde
ich gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern stark benachteiligt, deren
Verkehrsanlagen den Stand der Technik entsprechen werden.
Eine Planung, die Sicherheitsmängel aufweist und umweltfreundlichen
Verkehr unnötig benachteilt, sollte meines Erachtens nicht
genehmigungsfähig sein.
Deswegen möchte ich Sie auffordern, die Planungen in dieser Form nicht
zu bewilligen. Es sind Änderungen vonnöten, die mir ein sicheres Fahren
auch an Kreuzungen ermöglicht und die den Schutzraum Fußweg nicht
verletzen. Diese Änderungen werden sich mehrfach bezahlt machen, denn
gute Radanlagen führen zu mehr Radverkehr. Sie entlasten somit Straße,
Umwelt, Krankenkassen und die städtischen Finanzen.
Nötig ist:
+ Führung der Radfahrer im Blickfeld der Kfz-Fahrer auf dem
Niveau der allgemeinen Fahrbahn wenigstens ab 20 Meter vor den Kreuzungen
+ Anordnung der Fahrbahn für geradeausfahrende Radfahrer links
von den Rechstabbiegespuren
+ Trennung der Fahrbahn von den Fußwegen durch Bordsteine statt
durch farbliches Betonpflaster
+ Anordnung der Warteflächen für Fußgänger zwischen Fußweg
und Fahrbahn anstatt zwischen den Fahrbahnen von Rad und Kfz
+ Verwendung von glattem Asphaltfeinbeton als Oberflächenbelag.
Die notwendige Ebenheit sollte durch einen entsprechenden guten Unterbau
in Straßenqualität und durch die Ausführung des Radwegs mit einem
automatischen Straßenfertiger erreicht werden.
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Sichere Führung des Radverkehrs im Blickfeld der Autofahrer und
links neben der Rechtsabbiegerspur (Straßburger Platz)
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Die vermutlich beste Lösung ist es, den Radverkehrs soweit wie
möglich auf Radstreifen in Straßenniveau zu führen.
Bitte nehmen Sie meine Bedenken ernst und bestätigen Sie mir den
Eingang meines Widerspruches.
Mit freundlichen Grüßen,
Jochen Böttcher
Anhang:
+ Empfehlungen des ADFC zur Planung von Radverkehrsanlagen an
Kreuzungen
+ Zusammenfassung des ADFC Forschungsdienst Fahrrad Nr. 173 zur
Unfallgefahr durch Radwege
+ Ergebnis der Langzeitstudie „den sikkerhedsmæssige effekt“ die
zur Aussage kommt, das Radwege außerhalb der Fahrbahn oftmals
gefährlicher sind als keine Radwege
+ Diagramm über die Erschütterungen bei Nicht-Verwendung von Aphalt
auf Radfahrbahnen (Prof. Dr.–Ing. Wolfgang Wirth Lehrstuhl für
Verkehrswesen und Straßenverkehrsanlagen an der Univ. der Bundeswehr,
München)
+ Auszug aus dem UPI-Bericht 41 "Entwicklung und Potentiale des
Fahrradverkehrs - Maßnahmen zur Ausschöpfung des Fahrradpotentials in
der Verkehrsplaunung", u.a. mit Angaben zum Energieverbrauch auf
verschiedenen Fahrbahnoberflächen
Anhang
ADFC Forschungsdienst Fahrrad Nr. 173 zu Velo Secur 90
"Russisches Roulette auf Radwegen"
(http://www.adfc-bw.de/texte/fdf.zip)
Wichtigstes Ergebnis: Weil die mit dem Bau von Bordsteinradwegen
angestrebte Trennung der Verkehrsarten Verkehrsteilnehmer überfordert und
zu Unfällen führt, werden zunehmend andere Lösungen zur Führung des
Radverkehrs empfohlen. Experten verschiedener Beiträge zur Salzburger
Verkehrssicherheitstagung Velo Secur waren sich darin einig, dass Radwege
innerorts zur Führung des Radverkehrs vielfach ungeeignet sind und nicht
benutzt werden sollten
Dokumentiert ein bis zu 12-faches Risiko auf Radwegen gegenüber
Fahrbahnbenutzung.
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Unfallgefahr durch Radwege
Basis für den Vergleich ist das Unfallrisiko von Radfahrern, die
auf der Fahrbahn geradeaus fahren. Relativ ist das Risiko beim:
+ Geradeausfahren auf einem Radfahrstreifen: 1,1 fach
+ Linksabbiegen auf der Fahrbahn: 3,4 fach
+ Geradeausfahren auf einen baulich getrennten Radweg: 3,4 fach
+ Linksabbiegen von einem baulich getrennten Radweg: 11,0 fach
+ Geradeausfahren auf einem Radweg links der Fahrbahn: 11.9 fach
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Durch Beobachtung und Bewertung von Verkehrskonflikten wurde
an der Universität Lund (Schweden) das Unfallrisiko von Radfahrern
(relatives Risiko = 1) auf der Fahrbahn mit dem von Radwegbenutzern
verglichen.).
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Studie - Ole Bach, Ole Rosbach, Else Jørgensen: Cyclestier i byer –
den sikkerhedsmæssige effekt,
Hg. Vejdirektoratet, Næstved/Dänemark, 1985, auch zu finden in: ADFC
Hessen (Hg.): Fahrrad Stadt Verkehr, II. Tagungsband, S. 53-55, Darmstadt
1988
(zitiert in Bundesminister für Verkehr (Hg.): Forschung Stadtverkehr,
Zusammenfassende Auswertung von Forschungsergebnissen zum Radverkehr in
der Stadt, Heft A7, 1991)
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Vorher Nachher Vergleich von innerörtlichen
straßenbegleitenden Einrichtungsradwegen (105 Strecken mit 64 km
Gesamtlänge über 3 Jahre)
Unfälle auf Strecken an Knotenpunkten
vorher nachher vorher nachher
ohne mit ohne mit
Radweg Radweg Radweg Radweg
Fahrrad insgesamt 46 - 49 71 / 105
Fahrrad - Kfz 29 \ 19 55 / 82
Fahrrad - andere 17 / 30 16 - 23
Moped insgesamt 23 - 32 23 / 38
Moped - Kfz 12 - 13 19 - 20
Moped - andere 11 / 19 4 / 18
Fußgänger insgesamt 32 - 43 43 - 56
Fußgänger - Kfz 28 - 24 35 - 40
Fußgänger - andere 4 / 19 8 / 16
Kfz insgesamt 108 - 108 169 / 213
Kfz - Kfz 28 - 34 53 - 66
Kfz - andere 80 - 74 116 / 147
Gesamtzahl 134 - 154 187 / 251
vorher: ohne Radweg
nachher: mit Radweg
Bewertung (aus der Untersuchung):
- keine Änderung
\ Rückgang
/ Anstieg
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Untersuchung zu Zustandserfassung von Fahrradwegen mittels Messfahrrad
Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Wirth Lehrstuhl für Verkehrswesen und
Straßenverkehrsanlagen an der Univ. der Bundeswehr, München - Radwege
Planen und Bauen (www.bauv.unibw-muenchen.de)
(Hg. Deutscher Asphalt Verlag www.asphalt.de)
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Messdiagramm zum Oberflächenzustand. Vergleich einer
Asphaltfahrbahn mit eine sonst üblichen Belag. Es ist eindeutig der
Vorteil von Asphalt zu erkennen - er bietet erschütterungsfreies
Rollen
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UPI-Bericht 41 "Entwicklung und Potentiale des Fahrradverkehrs -
Maßnahmen zur Ausschöpfung des Fahrradpotentials in der Verkehrsplaunung",
3. erw. Auflage, August 2000
26 Seiten, 32 Grafiken und Fotos, 3 Tabellen, 5,- Euro
Zusammenfassung
Der UPI-Bericht 41 beschäftigt sich u.a. ausführlich mit dem Thema
Energieverbrauch beim Fahrrad fahren.
In Programmen zur Förderung des Fahrradverkehrs wird häufig zu wenig
beachtet, dass das Fahrrad im Gegensatz zu Kraftfahrzeugen mit
biologischer Energie angetrieben wird. Daraus folgen einige wichtige
Konsequenzen, die in UPI-Bericht 41 näher dargestellt werden.
Beispiel: Oberflächengestaltung von Radwegen
Dazu führte das UPI-Institut u.a. Energieverbrauchsmessungen beim
Fahrrad fahren auf verschiedenen Oberflächenarten der Radverkehrsanlagen
durch. Eines der Ergebnisse: Radwege mit Betonverbundsteinen erhöhen den
Energieverbrauch des Fahrradverkehrs wegen der rauheren und unebeneren
Oberfläche um 30-40% und reduzieren dadurch die mit dem Fahrrad
erschließbare Fläche um 40-50% im Vergleich zum Fahren auf glatten und
ebenen Oberflächen. Die in den letzten Jahren in vielen Städten
erstellten neuen Radwege wurden in den meisten Fällen mit
Betonverbundsteinen ausgeführt. Diese sicherlich gut gemeinte Maßnahme
führt jedoch zu einer empfindlichen Beeinträchtigung des Fahrradfahrens.
Im Laufe der Zeit können sich einzelne Verbundsteine senken, was zu einer
weiteren Beeinträchtigung führt. Besonders ungünstig sind die meist
verwendeten gefasten Verbundsteine. Für Räder mit schmalen Reifen und
Stegreifen besteht bei gefasten Betonverbundsteinen wegen der Rillen ein
erhöhtes Unfallrisiko.
Da Fahrräder ohne Fremdenergie auskommen müssen und der
Energieaufwand erheblich von der Oberfläche des Weges abhängt, kann der
Radius des Einsatzbereiches des Fahrrads im Nahverkehr je nach der
Oberflächengestaltung der Wege gefördert oder behindert werden.
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Radweg
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Fahrradverkehr
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Art des Radwegs
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Material
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Eigenschaft
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Fertigung
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Energie-
verbrauch
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Einsatz-
bereich
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Straßenqualität
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Feinasphalt
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längseben
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Straßenfertiger
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100%
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100%
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"Radwegequalität"
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Feinasphalt
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schlechte Längsebenheit
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Walze
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120%
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70%
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"Radwegequalität"
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Betonverbundpflaster
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ungefast
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130%
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60%
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"Radwegequalität"
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Betonverbundpflaster
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gefast
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140%
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50%
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wassergebunden
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feines Material
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150%
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45%
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wassergebunden
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grobes Material
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200%
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25%
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Tabelle: Energieverbrauch und Einsatzbereich des Fahrradverkehrs in
Abhängigkeit von der Oberflächenbeschaffenheit der Radverkehrsanlagen;
Straßenqualität = 100%
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, daß der Einsatzbereich des
Fahrrads bei Radverkehrsanlagen in guter Straßenqualität rund doppelt so
groß ist wie bei Radwegen mit Betonverbundsteinen oder schlechter
Längsebenheit und etwa 4mal so groß wie bei unbefestigten und schlechten
Radwegen.
Die Oberfläche von Fahrradwegen muß hinsichtlich Ebenheit und
Glattheit grundsätzlich dieselbe Qualität aufweisen wie die von Straßen
für Kraftfahrzeuge. Radwege sollten deshalb nicht mehr mit
Betonverbundsteinen angelegt werden. Die notwendige Glattheit läßt sich
durch die Anlage des Radwegs mit einer glatten Asphaltfeinbetondecke
erreichen. Die notwendige Ebenheit ergibt sich durch einen entsprechenden
guten Unterbau in Straßenqualität und durch die Ausführung des Radwegs
mit einem automatischen Straßenfertiger. Bei Ausführung des Radwegs ohne
automatischen Straßenfertiger läßt sich eine ausreichende
Längsebenheit nicht erreichen.
Da Fahrräder im Gegensatz zu Kraftfahrzeugen nicht oder kaum gefedert
sind, müssen die Radverkehrsanlagen erschütterungsfrei befahrbar sein.
Die Auffahrten zu Radwegen müssen auf Nullniveau liegen. Zur Orientierung
von Sichtbehinderten müssen ggfls. Blindenfühlplatten eingesetzt werden.
Die Einhaltung dieser Kriterien muß bei der Ausschreibung und der
Auftragserteilung klar geregelt werden.
Weitere Themen des Berichts sind u.a.: Unfallrisiko, psychologische
Aspekte beim Fahrrad, Push and Pull, Konflikte bei der Umverteilung der
Straßenfläche.
Bei guter Fahrradplanung ergibt sich allein aufgrund der physikalischen
Faktoren
1. Umwege vermeiden
2. Wartezeiten vermeiden
3. glatte und ebene Oberfläche der Radverkehrsanlagen
eine Verdoppelung bis Verdreifachung des Fahrradpotentials im Vergleich
zu schlechter Fahrradplanung.
Beispiele:
350 m Umweg (= 10% der Weglänge einer durchschnittlichen Fahrradfahrt)
reduzieren die mit dem Fahrrad erschließbare Fläche um 10 - 20%.
2 min Wartezeit (z.B. an 3 nicht fahrradgerechten Knoten) entsprechen
14% der mittleren Wegzeit und reduzieren die mit dem Fahrrad
erschließbare Fläche um 14 - 25%.
Radwege in schlechter Qualität (z.B. Betonverbundsteine oder
längsunebener Asphalt) erhöhen den Energieverbrauch der Fahrradfahrer um
15 - 40% und reduzieren die mit dem Fahrrad erschließbare Fläche um 15 -
50%.
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