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An Landeshauptstadt Dresden
Dezernat Wirtschaft und Verkehr
Straßen- und Tiefbauamt
Abteilung Verkehrstechnik
Jochen Böttcher,
Dresden, den 13. August 2001
Derzeitige Pläne für den Albertplatz - Radverkehrsführung
Sehr geehrte Verkehrsplaner
Aus der Sächsischen Zeitung erfuhr ich über Ihre Pläne zur
Führung des Radverkehrs am Albertplatz. Dort stand geschrieben, dass
Sie planen, die Fahrbahnen der Radfahrer zu pflastern und über Fußwege
zu führen. Ich las auch, dass sich der ADFC vehement gegen diese
Bürgersteigradwege wehrt und sich für ein Radstreifen im
Straßenbereich einsetzt.
Ich möchte mich den Protesten des Fahrradclubs anschließen und
bitte Sie Schlimmstes zu verhindern, solange es noch möglich ist.
Gepflasterte Bürgersteigradwege entsprechen weder dem Stand der
Technik, noch den heutigen Bedürfnissen an Sicherheit, Geschwindigkeit
und Komfort.
Ich kann nicht verstehen, wie ausgebildete Fachleute der Meinung sein
können, dass gepflasterte Radwege auf Fußwegniveau eine Förderung des
Radverkehrs bringen sollen. Leider ist trifft das Gegenteil zu. Ich
möchte Ihnen das im folgenden erläutern.
Inhalt:
Bürgersteigradwege
sind gefährlich
+ Gefährdung durch den
Autoverkehr
+ Gefährdung der Fußgänger
Bürgersteigradwege
vergiften das Klima auf den Fußweg
Bürgersteigradwege
bedeuten Komfortverschlechterung
Bürgersteigradwege
sind KEINE Förderung des Radverkehrs
Radstreifen/-spuren
sind die Ideallösung
Vorteile
von Radfahrstreifen gegenüber abgesetzten Radwegen
Quellenverzeichnis
Bei Ihren Planungen sind Sie sicherlich von dem Gedanken ausgegangen,
dass der Hauptunfallgegner von Radfahrern der Autofahrer ist. Mir
scheint, als zögen Sie daraus den Schluss, der KfZ-Verkehr sei die
größte Gefahr für den Radfahrer, deswegen müssen die Radfahrbahnen
soweit wie möglich unabhängig von der Fahrbahn der Autofahrer gebaut
werden.
Eine solche Betrachtung ist viel zu oberflächlich. Die Ursache der
Unfälle wird nicht differenziert betrachtet. Laut aktuellen
Untersuchungen liegt die Gefahr, als Radfahrer auf einem
Bürgersteigradweg zu verunglücken bis zu 11.9 mal höher als wenn er
auf der Straße fährt (siehe [i] und Bild
aus [ii]). Das hat jetzt auch die Bundesregierung
aufgenommen und will verstärkt Radstreifen unterstützen (aktueller
Antrag im Bundestag)
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Unfallgefahr durch Radwege
Basis für den Vergleich ist das Unfallrisiko von Radfahrern, die
auf der Fahrbahn geradeaus fahren. Relativ ist das Risiko beim:
+ Geradeausfahren auf einem Radfahrstreifen 1,1 fach
+ Linksabbiegen auf der Fahrbahn 3,4 fach
+ Geradeausfahren auf einen baulich getrennten Radweg 3,4 fach
+ Linksabbiegen von einem baulich getrennten Radweg 11,0 fach
+ Geradeausfahren auf einem Radweg links der Fahrbahn 11.9 fach
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Durch Beobachtung und Bewertung von Verkehrskonflikten wurde
an der Universität Lund (Schweden) das Unfallrisiko von
Radfahrern (relatives Risiko = 1) auf der Fahrbahn mit dem von
Radwegbenutzern verglichen.).
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In einer Untersuchung aus Dänemark (siehe [iii]),
das in einer vom Bundesminister für Verkehr herausgegebenen Studie
zitiert wird, ist ein vorher-nachher-Vergleich von innerörtlichen
straßenbegleitenden Radwegen erfolgt. Auch dort ist das Ergebnis, dass
besonders im Bereich der Knoten die Unfälle mit Fahrradfahrern stark
zunahmen, nachdem die Radfahrer auf getrennte Radwege verdrängt wurden.
Dann gibt es die Erkenntnisse der Berliner Polizei von 1986, (siehe [iv])
nach der auf den Straßen mit Radwegen dort fast die Hälfte der
Radfahrerunfälle stattfanden. Der Anteil dieser Straßen war aber nur
18 %. Auch die Unfallschwere war auf den Straßen mit Radwegen höher.
(Sicher nicht ganz sauber, weil nicht zu sehen ist, ob auf Straßen mit
Radwegen auch genauso viel Radverkehr stattfindet wie auf den restlichen
Straßen. Aber die Tendenz ist eindeutig)
Wenn man nun noch die Verkehrszählung des Senats (siehe [v])
zu Rate zieht, stellt man fest, dass auch pro Strecke (auch eine nicht
ganz saubere Bezugsgröße, weil man auf Radwegen langsamer vorankommt
und Risiko pro Zeit gemessen wird, so dass Radwege pro Strecke zu gut
abschneiden) das Unfallrisiko auf den Radweg-Straßen dreimal so hoch
ist. Von 1981 bis 1985 stieg die Zahl der Unfälle auf den
Radweg-Strecken dort um 114 %; in den anderen Straßen sank sie um 9%.
Die Länge der Radwege hat in diesem Zeitraum aber nur um 20 %
zugenommen, die Zahl der Radfahrer kaum. Die Zählung der Radunfälle
wurde daraufhin in Berlin eingestellt .
Die Hauptursache bei schweren Radunfällen ist das Übersehen der
Radfahrer durch rechtsabbiegende Autofahrer (40-50 % der Todesfälle
siehe [vi] und [vii]). Danach
folgen das Übersehen von Radfahrern bei Ausfahrten ([viii]).
Unfälle bei parallelen Auto und Radverkehr tauchen in den vorderen
Plätzen gar nicht auf. Bedenken, ein Nebeneinanderfahren von
Autoverkehr und Radlern auf Radstreifen würde ein erhöhtes Risiko
bedeuten, können also beim Betrachten der Unfallstatistik nicht geteilt
werden. Dafür sind Unfälle aufgrund von ungenügender Wahrnehmung der
Radfahrer durch Autofahrer Haupttötungsgrund bei Radfahrern.
Demzufolge muss es richtig heißen: Die größte Gefahr für
Radfahrer sind Autofahrer, die Radfahrer übersehen! Deswegen müssen
Radfahrbahnen immer im Blickfeld des KfZ-Verkehrs liegen.
Aber gerade in dieser Hinsicht sind die von Ihnen geplanten
Bürgersteigradwege die schlechteste Wahl. Das Geschehen auf dem
Bürgersteig liegt nicht im Blickfeld der KfZ-Lenker. An Kreuzungen
kommt es dann häufig zu sehr schweren Unfällen, weil die Radler
einfach „vergessen“ wurden (erst kürzlich von mir beobachtet an der
Kesselsdorfer Straße). Haben Fahrradfahrer aber eine eigene Fahrspur
neben der Autospur, so sind sie immer im Blickfeld und im Bewusstsein
der Autofahrer. Wer gesehen wird, wird nicht umgefahren!
[nach oben]
Nach ihren Planungen soll die Fahrbahn der Radfahrer auf dem selben
Niveau verlaufen wie der Fußweg. Aus der täglichen Erfahrung ist
bekannt, dass Fußgänger die Grenze zwischen Fuß- und Radweg nicht
wahrnehmen. Fußgänger akzeptieren keine „Fahrbahnmarkierungen“,
seien es weiße Streifen oder rote Pflastersteine. Den einzigen Bereich,
den der Fußgänger meidet, ist die Straße - eindeutig abgegrenzt durch
Bordstein und einen anderen Fahrbelag – Asphalt.
Da viele Fußgänger die „Radwege“ als solche nicht erkennen,
verwechseln sie die Fahrbahn mit Warteflächen, laufen auf der Fahrbahn
oder ändern für Radfahrer unberechenbar die Laufrichtung und rennen so
in fahrende Fahrräder.
Schlimmste Beispiele sind die Kesselsdorfer Straße, der Schlesische
Platz und große Teile der Fritz Löffler Straße. Dort wickelt sich der
Fußgängerverkehr quasi auf dem Radweg ab.
Gleichzeitig ist das Fahrrad in der Stadt oftmals das schnellste
Verkehrsmittel. Geschwindigkeiten um die 30 km/h sind nicht selten. Es
ist selbstredend, dass die Radfahrer für die Passanten eine große
Gefahr bedeuten, denn die Wahrscheinlichkeit, dass Passanten auf die
Fahrbahn der Radfahrer geraten ist sehr groß.
[nach oben]
Wollen Radfahrer zügig vorankommen, müssen sie quasi Gefährdungen
der Fußgänger in Kauf nehmen. Folge ist, dass Fußgänger über die
Radfahrer schimpfen („Rowdys...“) und umgekehrt („Penner...“).
Aber selbst Radfahrer, die sehr vorsichtig und langsam fahren, sind oft
Opfer schlimmster Beschimpfungen, obwohl sie zugunsten Ihrer Sicherheit
Einschränkungen ihrer Mobilität hinnehmen müssen.
Radler erleben „Ihren“ Weg als rechtslosen Raum. Regeln der StVO
gelten dort nicht. Fußgänger blinken gewöhnlich nicht, machen keinen
Schulterblick und auch rechts vor links ist auf (Rad-)Fußwegen eher
selten zu beobachten. Fußgängerverkehr funktioniert ohne Regeln. So
ist es nicht verwunderlich, wenn auch Radfahrer die Regeln missachten.
Es ist nichts Neues, dass Radfahrer, die gewöhnlich im Straßenraum
fahren, viel öfter ihre Fahrtrichtung anzeigen, mit
Selbstverständlichkeit den Schulterblick benutzen, viel seltener bei
Rot fahren und sich viel besser in den allgemeinen Straßenverkehr
unterordnen als Radfahrer, die überwiegend auf Fußwegen fahren
müssen.
Ich mache den Fußgängern keine Vorwürfe, es ist kein
Fehlverhalten, wenn sie die Abgrenzung zum „Radweg“ nicht
wahrnehmen. Es ist eine Fehlplanung der Radverkehrsanlage. Obwohl ich
für dieses Thema sensibilisiert bin, erwische ich mich selbst immer
wieder, wie ich auf dem Radweg laufe, wenn der auf dem Fußweg angelegt
ist.
[nach oben]
Zum Komfort gehören für mich Breite, Oberfläche,
Übersichtlichkeit und die Möglichkeit, ungestört zu radeln. Beim
ersten Punkt sehe ich keine systemspezifischen Unterschiede zwischen
Bürgersteigradweg und Radstreifen. Die Dresdener Radanlagen sind alle
chronisch unterdimensioniert. Die empfohlene Breite von 2 Metern wird
fast nirgendwo erreicht. An vielen Stellen wird (illegal!) sogar die
Mindestbreite von 1,5 Metern unterschritten.
Was Oberfläche, Übersichtlichkeit und das ungestörte Radeln
betrifft, sind die von Ihnen favorisierten Bürgersteigradwege die
schlechteste aller Möglichkeiten.
Trotz aller negativer Erfahrung werden in dieser Stadt immer noch
Betonpflastersteine als die Lösung für Radverkehrsanlagen gesehen. Als
Begründungen dafür müssen einmal die rote Farbe, die man nicht
nachbessern braucht, ein anderes mal die Leitungen unter dem Weg oder
auch die angeblich geringere Versiegelung des Bodens mit Betonpflaster
genannt. Es gab sogar die Begründung, Betonpflaster hätte einen
geringeren Fahrwiderstand als eine glatte Asphaltfahrbahn.
Die Realität sieht anders aus. Ist es schon selten, dass neues
Betonpflaster glatt verlegt wird, so ist es spätestens nach dem ersten
Winter vorbei mit der Ebenheit. Falschparker und Lieferfahrzeuge stehen
auf den Wegen und schädigen sie grundlegend. Es gibt keine Baufirma,
die es geschafft hat, nach Leitungsarbeiten oder dergleichen das
Pflaster einigermaßen gerade zu verschließen. Oftmals die Folge –
Unbefahrbarkeit und jahrelang ausbleibende Reparaturen.
Der Energieverbrauch – beim Radfahrer eine wichtige Größe – ist
auf Betonpflaster ca. 15 % höher als auf Asphalt ([ix]).
Die Verwendung von ungefasten Steinen hat dieses Problem gemindert,
nicht aber beseitigt.
Doch selbst wenn Asphalt auf Bürgersteigradwege gebracht wird, so
geschieht das häufig manuell und mit einer dermaßen schlampigen
Qualität (Budapester Straße), die sich auf Kfz-Fahrbahnen niemand
erlauben könnte.
Dazu kommt ja noch, dass Radstreifen mit jeder Straßenerneuerung mit
ausgebessert werden (St. Petersburger Str.), während die
Bürgersteigradwege der 60er Jahre zum Teil immer noch Originalbelag
haben. Erschütterungsfreies, komfortables Fahren wird auf
Bürgersteigradwegen ein Wunsch bleiben.
Da zwischen Radweg und Straße ein Niveauunterschied besteht, muss
der Radweg an jeder Grundstücksausfahrt abgesenkt werden. Diese Rampen
sind in Dresden grundsätzlich zu steil.
Radwege auf Fußwegniveau werden häufig je nach Belieben des
Verkehrsplaners über Bürgersteige und Einfahrten verschwenkt. Einmal
ist es eine Bushaltestelle, ein anderes mal eine Fußgänger-LSA. Hinter
Haltestellenhäuschen können hervortretende Fußgänger nicht erkannt
werden. Oftmals enden oder beginnen die Wege völlig unvermittelt. Und
ohne vernünftige Einfädelung. Über die Sicherheitsprobleme habe ich
oben ausführlich berichtet. Das als übersichtliche Führung zu
bezeichnen, wird niemanden in den Sinn kommen.
Bequem radeln ist auf diesen Wegen auch nicht möglich. Zu viele
Dinge, auf die man achten muss. Nicht nur “verirrte” Fußgänger,
auch Hunde, Werbeaufsteller, Papierkörbe, Falschparker,
Verkehrsschilder, Provisorien wie Bauampeln und entsprechende Schilder,
Müll, wucherndes Grün usw. findet man auf Dresdener
Bürgersteigradwegen. Insgesamt muss ein Radler auf der gleichen Strecke
viel mehr Eindrücke verarbeiten und beachten, als er das auf einem
Radstreifen muss.
[nach oben]
Sinn von Verkehrsbauten soll immer auch die Förderung von Radverkehr
sein. So steht es in unzähligen Richtlinien, Im Verkehrskonzept und
auch in Reden von Politikern aller Couleur.
Unter Förderung verstehe ich mehr Sicherheit, höhere
Geschwindigkeiten und mehr Komfort.
Auf Radverkehrsanlagen gänzlich zu verzichten, wäre sicherer, als
die von Ihnen favorisierten Radwege im Fußwegbereich. Das haben die
oben erwähnten Studien gezeigt.
Die Geschwindigkeiten auf Bürgersteigradwegen sind schon aus
Sicherheitsgründen (Fußgänger) und wegen der Oberfläche (Pflaster)
geringer. Die im vorherigen Punkt angerissenen Probleme behindern den
Radfahrer zusätzlich und erlauben kein hohes Tempo (Werbeaufsteller,
Falschparker...). Dazu kommt, dass bei solchen Wegen die LSA
Signalisierung häufig zusammen mit den Fußgängern erfolgt, was zu
kürzeren Grünzeiten (Fußgänger haben längere Räumzeit) führt.
Von Komfort kann überhaupt keine Rede sein. Der Radfahrer muss viel
mehr Dinge beachten bis hin zur Überforderung. Er wird viel öfter von
anderen Verkehrsteilnehmern behindert. Die Führung ist selten gradlinig
und eindeutig (=baulich) vom Fußweg abgegrenzt. Direktes Linksabbiegen
ist höchst selten möglich. In Dresden werden Radwege immer noch
gepflastert. Wenn nicht schon von Anfang an, dann sind sie spätestens
nach einem Winter oder einer Reparatur uneben.
In allen drei Punkten bringen Ihre Planungen also erhebliche
Verschlechterungen, verglichen mit Radspuren/Radstreifen auf der Straße
oder selbst mit Straßen gänzlich ohne Radanlagen.
[nach oben]
Ich habe bereits von Verkehrsplanern gehört, dass sie
Radstreifen/Radspuren als billige Lösungen ablehnen. Aber eine Lösung
ist nicht schlecht, nur weil sie weniger kostet, ganz im Gegenteil.
Für alle aufgezeigten Probleme ist ein komfortabler Radstreifen mit
ausreichender Breite (1,8 –2,0 Meter) die ideale Lösung, deren
Bestand ohne zusätzliche Mühen auch in Zukunft gesichert ist.
Mir ist wohl bekannt, dass es auch Radfahrer gibt, die sich auf dem
Radweg sicherer fühlen als auf einem Radstreifen. Aber wie die Studien
und auch die Logik zeigt, ist das eine rein subjektiv empfundene
Sicherheit. Nichts ist gefährlicher als ein Verkehrsteilnehmer, der
seine Gefährdung nicht erkennt. Deswegen ist auch für diese Gruppe
Radfahrer ein Benutzen der Radstreifen/spuren sinnvoll. Mit der
persönlichen Erfahrung wird die Akzeptanz auch bei diesen Fahrern
steigen.
Wenn trotzdem alte Menschen oder Kinder auf den Fußwegen radeln, so
wird das ihnen sicherlich niemand übel nehmen. Bei ausreichender Breite
der Bürgersteige kann auch eine Freigabe für Radfahrer durch ein
Zusatzschild eine Lösung für solche Verkehrsteilnehmer sein.
[nach oben]
+ Der Radfahrer wird für alle Verkehrsteilnehmer deutlich sichtbar
und dadurch mit größtmöglicher Sicherheit geführt. Sein Verhalten
ist für andere Verkehrsteilnehmer voraussehbar. Von den in die
übergeordnete Straße einbiegenden Autofahrern werden die Radfahrer
früher erkannt
+ Unfallhäufigkeit und Unfallschwere gehen deutlich zurück. Dies
belegen Unfallbilanzen aus zahlreichen Städten (siehe [x],
[xi], und [xii] )
+ Radfahrer können den Knoten zügig queren.
+ Die Radlerfurt wird bei nichtsignalisierten Knoten kaum durch
einbiegende Kraftfahrzeuge blockiert, da der bevorrechtigte Verkehr
schon vor der Furt überblickt werden kann.
+ Es wird deutlich, dass der Radverkehr zur bevorrechtigten Straße
gehört und somit Vorfahrt hat.
+ Radfahrer akzeptieren nicht abgesetzte Furten erheblich mehr als
abgesetzte.
+ Geradeausfahrende Radfahrer werden von Kraftfahrern nicht
irrtümlich für Rechtsabbieger gehalten, zugleich können
geradeausfahrende Radfahrer rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge besser
erkennen.
+ Radfahrstreifen werden im Gegensatz zu Radwegen kaum verbotswidrig
in falscher Richtung befahren.
+ Radfahrstreifen werden von Fußgängern kaum mit Warte- und
Gehwegflächen verwechselt.
+ Behinderungen wie Werbesteller, Papierkörbe, Verkehrsschilder oder
Lampenmaste sind nahezu ausgeschlossen.
+ Die Oberfläche von Radstreifen im Straßenniveau hat die selbe
hohe Qualität wie die Fahrbahn des MIV und ist damit um Welten besser
als der wellige Asphalt oder gar das Betonpflaster auf manchen Dresdener
Bordsteinradwegen. (siehe [xiii])
+ Die Wartung der Fahrbahn erfolgt gemeinsam mit der Wartung der KfZ
Spuren. Somit ist die Qualität des Radverkehrsanlage auch für die
Zukunft gesichert, ohne von speziellen Radweg-Reparaturprogrammen
abhängig zu sein.
+ Die Kosten sind häufig geringer als für einen vergleichbaren
Bürgersteigradweg.
(Quelle unter anderem www.adfc.de)
Ich habe versucht, Ihnen mit Angaben meiner Quellen darzulegen, dass
Ihre Planungen nicht die beste Lösung ist. Bitte sorgen Sie dafür,
dass keine Radwege auf Bürgersteigen mehr gebaut werden, schon gar
nicht an einem so wichtigen Verkehrsknoten wie dem Albertplatz.
Nutzen Sie die Alltagserfahrung von aktiven Radfahrern bei
Neuplanungen damit nicht am Ende der Radverkehr für teures Geld so
unmöglich geführt wird, dass Radfahrer und Fußgänger unnötig
gefährdet werden oder von den Einrichtungen kaum Gebrauch machen. Eine
Hilfe sind vielleicht die Webseiten der ADFC Verkehrsgruppe: (www.adfc.de
Verkehr > Fakten - Argumente - Forderungen) auf denen wertvolle
Informationen, vor allem für die Anlage von Kreuzungen und Haltestellen
gegeben werden. Eine Planung, die diese fachlich fundierten Hinweise
nicht beachtet, ist radfahrerfeindlich und damit nicht zeitgemäß.
Ich bitte Sie, meine Bedenken zur aktuellen Planungen am Albertplatz
ernst zu nehmen. Es geht hier nicht um ein paar unbedeutende Varianten
eines Radweges sondern um Menschen, die, weil sie von einem Autofahrer
übersehen worden sind, ihr Leben lassen müssen oder für immer schwer
behindert sind.
Es ist die Pflicht von Behörden, Planungen nach dem aktuellen Stand
der Technik und Wissenschaft auszuführen. Dabei ist sich nicht auf das
Gefühl einzelner Planer oder Politiker sondern auf kritische Bewertung
von Unfallstatistiken und Veröffentlichungen entsprechender
Radverkehrsexperten zu setzen. Die Bevorzugung von Bürgersteigradwegen
in Dresden gründet auf veralteten Ansichten, die in der Praxis täglich
widerlegt werden.
Gute Radwege werden von Radfahrern gerne und freiwillig genutzt, dazu
braucht man keinen Benutzungszwang. Am Radweg vor dem Neustädter
Bahnhof kann man beobachten, dass zwei von drei Radlern die Straße für
sicherer betrachten, obwohl für den Weg Benutzungspflicht angeordnet
wurde. So wird es auch auf dem Albertplatz sein, sollte der Radweg dort
genauso aussehen. Denken Sie bitte darüber nach, warum in Dresden nur
10 Prozent der Wege mit dem Rad zurückgelegt werden, in Leipzig dafür
14 in anderen Städte 20 bis 60 Prozent!
Mit freundlichen Grüßen,
Jochen Böttcher
[nach oben]
[i] ADFC Pressemitteilung - Radwege sind oft gefährlicher als die
Fahrbahn
(http://www.adfc-bw.de/presse/texte/radweg6-1.htm)
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[ii] ADFC Forschungsdienst Fahrrad Nr. 173 zu Velo Secur 90
"Russisches Roulette auf Radwegen" (http://www.adfc-bw.de/texte/fdf.zip)
Wichtigstes Ergebnis: Weil die mit dem Bau von Bordsteinradwegen
angestrebte Trennung der Verkehrsarten Verkehrsteilnehmer überfordert
und zu Unfällen führt, werden zunehmend andere Lösungen zur Führung
des Radverkehrs empfohlen. Experten verschiedener Beiträge zur
Salzburger Verkehrssicherheitstagung Velo Secur waren sich darin einig,
daß Radwege innerorts zur Führung des Radverkehrs vielfach ungeeignet
sind und nicht benutzt werden sollten
Dokumentiert ein bis zu 12-faches Risiko auf Radwegen gegenüber
Fahrbahnbenutzung.
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[iii] Studie - Ole Bach, Ole Rosbach, Else Jørgensen: Cyclestier i
byer – den sikkerhedsmæssige effekt, Hg. Vejdirektoratet, Næstved/Dänemark,
1985, auch zu finden in: ADFC Hessen (Hg.): Fahrrad Stadt Verkehr, II.
Tagungsband, S. 53-55, Darmstadt 1988 -
(zitiert in Bundesminister für Verkehr (Hg.): Forschung
Stadtverkehr, Zusammenfassende Auswertung von Forschungsergebnissen zum
Radverkehr in der Stadt, Heft A7, 1991)
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Vorher Nachher Vergleich von
innerörtlichen straßen begleitenden Einrichtungsradwegen (105
Strecken mit 64 km Gesamtlänge über 3 Jahre)
Unfälle auf Strecken an Knotenpunkten
vorher nachher vorher nachher
ohne mit ohne mit
Radweg Radweg Radweg Radweg
Fahrrad insgesamt 46 - 49 71 / 105
Fahrrad - Kfz 29 \ 19 55 / 82
Fahrrad - andere 17 / 30 16 - 23
Moped insgesamt 23 - 32 23 / 38
Moped - Kfz 12 - 13 19 - 20
Moped - andere 11 / 19 4 / 18
Fußgänger insgesamt 32 - 43 43 - 56
Fußgänger - Kfz 28 - 24 35 - 40
Fußgänger - andere 4 / 19 8 / 16
Kfz insgesamt 108 - 108 169 / 213
Kfz - Kfz 28 - 34 53 - 66
Kfz - andere 80 - 74 116 / 147
Gesamtzahl 134 - 154 187 / 251
vorher: ohne Radweg
nachher: mit Radweg
Bewertung (aus der Untersuchung):
- keine Änderung
\ Rückgang
/ Anstieg
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[iv] Dokumentation "Verkehrsunfälle mit Radfahrern",
Berlin 1987 (Hg. Grüne Radler Berlin) (www.gruene-radler-berlin.de)
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[v] Senator für Verkehr, Erhebungen zum Fahrradverkehr, Berlin 1987
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[vi] Zeitschrift RadZeit 2/2000 Interview mit Herr Kurth vom Berliner
Landesschutzpolizeiamt auf S. 10/11 (www.radzeit.de
)
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[vii] Zeitschrift RadZeit 6/2000 Interview mit dem Radbeauftragter
von Berlin auf S. 35 (www.radzeit.de )
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[viii] Dokumentation "Verkehrsunfälle mit Radfahrern",
Berlin 1987 (Hg. Grüne Radler Berlin) (www.gruene-radler-berlin.de)
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[ix] Zeitschrift RadZeit 4/2000 auf S. 13 Artikel zum
Radverkehrsbericht der Bundesregierung (www.radzeit.de
)
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[x] Niedersächsisches Landesamt für Straßenbau: Radverkehrsanlagen
an Knotenpunkten und Grundstückszufahrten im Zuge von Ortsdurchfahrten,
1992
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[xi] Nachbarschaftsverband Stuttgart: Empfehlungen für
Radverkehrsanlagen, 1991
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[xii] R. Schnüll u.a.: Sicherung von Radfahrern an städtischen
Knotenpunkten , Forschungsberichte der Bundesanstalt für Straßenwesen,
Bd. 262, 1992 (www.bast.de)
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[xiii] Prof. Dr.-Ing Wilfgang Wirth Lehrstuhl für Verkehrswesen und
Straßenverkehrsanlagen an der Univ. der Bundeswehr, München - Radwege
Planen und Bauen (www.bauv.unibw-muenchen.de)
(Hg. Deutscher Asphalt Verlag www.asphalt.de)
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Untersuchung zu Zustandserfassung von
Fahrradwegen mittels Meßfahrrad
Meßdiagramm zum Oberflächenzustand. Vergleich einer
Asphaltfahrbahn mit eine sonst üblichen Belag. Es ist eindeutig
der Vorteil von Asphalt zu erkennen - er bietet
erschütterungsfreies Rollen
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