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An Landeshauptstadt Dresden
Dezernat Wirtschaft und Verkehr
Straßen- und Tiefbauamt
Geschäftsbereich Stadtentwicklung
Abteilung Verkehrstechnik
Postfach 12 00 20
01001 Dresden
Probleme der Radverkehrsführung in den "Schnüll-Plänen"
zur Königsbrücker Straße
Da die Königsbrücker Straße häufig auf meinen Wegen liegt,
verfolge ich die Planungen zum Ausbau der Straße mit großem Interesse.
Ich begrüße größtenteils die vorgeschlagene "Schnüll-Variante",
weil sie einen intelligenten Kompromiss zwischen den Autoideologen und
den Anstrengungen zu einem modernen menschenfreundlichen Dresden
darstellen.
Das Hauptaugenmerk der Schnüll-Planung lag wohl auf dem Vereinbaren
der konträren Flächenansprüche von MIV und ÖPNV. In den im Internet
veröffentlichten Zeichnungen ist jedoch auch ein Vorschlag zur Führung
des Radverkehrs enthalten. Die dort vorgesehenen Radverkehrsanlagen
weisen allerdings beträchtliche Mängel in Sicherheit und Qualität
auf, die vermeidbar sind.
Als langjähriger Alltagsradler möchte ich Sie auf die Probleme der
Planungen hinweisen und im Anschluss Lösungsvorschläge
unterbreiten.
Die Probleme betreffen folgende Punkte:
+ Führung der Radwege vor den Kreuzungen:
Die Radwege liegen außerhalb des unmittelbaren
Blickfeldes der Kraftfahrer (auf Fußwegen, hinter Bäumen und parkenden
Autos). Dadurch werden abbiegende Autofahrer die Radfahrer zu spät oder
gar nicht wahrnehmen. Radfahrer werden der Gefahr von schwersten
Unfällen ausgesetzt. Ein zügiges Radfahren ist an solchen Anlagen
unmöglich.
+ Führung des Radverkehrs auf Fußwegen:
Die Radwege verlaufen größtenteils über den Fußweg
einer belebten Einkaufsstraße. Dadurch werden Radfahrer ausgebremst und
Fußgänger gefährdet. Das führt zu einer Abwertung der Einkaufsmeile
des Stadteilzentrums, zur geringeren Attraktivität des Radfahrens sowie
zu einer Verschlechterung des Verkehrsklimas ( "Radrowdies",
Frust auf Fußgänger)
+ Ungeeignete Abgrenzung der Fahrbahn:
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Fußgänger bemerken oft nicht die rote Farbe der Rad-Fahrbahn
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Die Abgrenzung der Radfahrbahn vom Fußweg durch
andersfarbiges Verbundpflaster ist wirkungslos, da Fußgänger in der
Regel nicht auf die Farbgebung des Fußweges achten. Für Radfahrer ist
das Verhalten der Fußgänger an solchen Radanlagen deswegen besonders
schwer einzuschätzen. Fußgänger blinken nicht, machen keinen
Schulterblick und wechseln vor allem an Kreuzungen unverhofft ihre
Gehrichtung. Verlaufen die Radfahrbahnen über den Bürgersteig, so ist
es nicht zu erwarten, dass sich die Fußgänger vergewissern, dass der
Radweg frei ist, bevor sie die (Rad-)Fahrbahn betreten. Vielmehr werden
die Radwege oft gar nicht bemerkt, so wie auf dem Bild nebenan. Auf
solchen Verkehrsanlagen sind gegenseitige Gefährdungen und
Behinderungen an der Tagesordnung. Zügiges Radfahren ist hier nicht
möglich.
+ Ungeeigneter Fahrbahnbelag:
"Bürgersteigradwege" werden in Dresden
zumeist mit Betonverbundsteinen gepflastert. Diese Oberfläche ist für
Radfahrbahnen ungeeignet, da sie innerhalb kurzer Zeit ihre Ebenheit
verliert und der Fahrwiderstand größer als bei Asphaltdecken ist.
Reparaturen werden zumeist unsachgemäß durchgeführt und verschlimmern
die Situation zusätzlich. Radfahrer benötigen aber mehr als KfZ eine
ebene Fahrbahn, da Fahrräder zumeist ungefedert sind und die Energie
zur Fortbewegung selber aufbracht werden muss.
+ Unnötige Rampen an Grundstückseinfahrten:
Bei der Führung des Radverkehrs auf
"Bürgersteigradwegen" befindet sich zwischen Radfahrbahn und
allgemeiner Fahrbahn ein Niveauunterschied. Da dieser Unterschied bei
jeder Grundstückseinfahrt aufgehoben werden muss, müssen auf dem
Radweg Rampen eingebaut werden. Diese werden vom Radfahrer als äußerst
störend empfunden und belasten vor allem bei schnelleren Radfahrern
(Alltagsradler) Wirbelsäule und Fahrrad enorm.
+ Verhängen von Fahrverboten für die allgemeine Fahrbahn:
Radwege verleiten die Verwaltung, sie als
benutzungspflichtig zu markieren (Zeichen 237 ).
Gute Radanlagen werden von den Radfahrern freiwillig und gerne benutzt,
schlechte Anlagen sollten nicht benutzungspflichtig sein, da das Fahren
auf der allgemeinen Fahrbahn sicherer, schneller und komfortabler ist.
+ Verschlechterung des Verkehrsklimas:
Das Radwegzeichen 237
verleitet einige Kfz-Führer zum Abdrängeln, Beleidigungen und Hupen,
wenn Radfahrer (z. B. wegen Schnee auf dem Radweg) auf der allgemeinen
Fahrbahn fahren. Sie vergiftet das Klima zwischen Rad- und Autofahrern
und führt zu unnötigen Gefährdungen.
Eine Radverkehrsführung entsprechend den veröffentlichten
Schnüll-Plänen würde die Situation der Radfahrer gegenüber dem
heutigen Zustand verschlechtern. Heute fährt der größte Teil der
Radfahrer illegal auf dem Fußweg, weil die Oberfläche der Fahrbahn
für den Radverkehr ungeeignet ist. Die Umsetzung der Pläne würde
diese Praxis legalisieren, wobei an vielen Stellen der den Radlern und
Fußgängern zur Verfügung stehende Verkehrsraum verringert wird.
Gleichzeitig werden Radfahrer einer hohen Gefährdung ausgesetzt, da
sich ihre Fahrbahn außerhalb des Sichtbereiches abbiegender Kfz-Führer
befindet. Betroffen sind besonders unerfahrene und ältere Radfahrer, da
diese Menschen den Radwegen vertrauen und die Gefahren nicht erkennen.
All die beschriebenen Probleme sind vermeidbar, wenn der Radverkehr
im Blickfeld der Kfz-Führer und vom Fußweg baulich getrennt geführt
wird. Ein ausreichend breiter Radstreifen auf Asphalt, der neben der
Kfz-Fahrbahn verläuft, ist die beste und sicherste Form der
Radverkehrsförderung und entspricht auch den Forderungen des ADFC an
moderne Radverkehrsanlagen. Eine erhöhte Gefahr durch die Nähe der
Radfahrer zur MIV-Spur konnte in verkehrswissenschaftlichen Untersuchen
nicht bestätigt werden, wohl aber der Sicherheitsgewinn an Kreuzungen
(siehe Quellen).
Ich habe mir die Mühe gemacht, die Stellen, die meines Erachtens die
Schwachpunkte der Radverkehrsführung darstellen aufzulisten und
Vorschläge zur Verbesserung zu unterbreiten. Diese liegen als Anhang
bei.
Ich bitte Sie, meine Bedenken zur aktuellen Planung der
Königsbrücker Straße ernst zu nehmen. Es geht hier nicht um ein paar
unbedeutende Varianten eines Radweges sondern um Menschen, die, weil sie
von einem Autofahrer übersehen worden sind, ihr Leben lassen müssen
oder für immer schwer behindert sind. Gerade im Blick auf ältere und
unerfahrene Radfahrer sind Änderungen der Pläne nötig.
Zudem führen gute Radverkehrsanlagen zu einer Veränderung des Modal
Split zugunsten des Radverkehrs. Straßen und Umwelt werden entlastet,
ohne dass teure Großinvestitionen vorgenommen werden müssen. All das
sollte auch in Ihrem Interesse liegen.
Mit freundlichen Grüßen
Jochen Böttcher (Dipl.-Verkehrsingenieur)
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